ZwängeZwanghafte Handlung kennt wahrscheinlich jeder - wenn nicht von sich, dann von Bekannten oder Verwandten. Wenn man meint, dass eine bestimmte alltägliche Handlung, z.B. Kaffee kochen, Staubsaugen, Rasen mähen, nur auf eine bestimmte Art und Weise am besten durchgeführt werden darf, damit alles seine Ordnung hat, obwohl objektiv auch ein anderer Weg oder eine andere Reihenfolge möglich wäre oder wenn man jemand anderen beobachtet, der es auf die falsche Weise macht, macht sich ein ungutes Gefühl breit und man würde es ihm am liebsten aus der Hand nehmen oder Vorschläge zur Optimierung unterbreiten. Das wäre zwar ein wenig zwanghaft, aber noch keine Störung. Manche Menschen bekommen aber Angst, dass irgend etwas Schreckliches oder eine konkrete Katastrophe wie ein Krieg, eine Hungersnot ausbrechen oder ein geliebter Mensch sterben könnte, weil etwas nicht richtig gemacht wird und sie können den Kaffee nicht trinken, der auf die subjektiv falsche Weise gekocht wurde, weil sonst jemand in ihrer Familie oder sie selber krank werden. Gleichzeitig wissen sie, dass die Befürchtungen unsinnig und übertrieben sind. Manche Menschen können es zum Beispiel nicht ertragen, wenn Klodeckel offen sind oder wenn Türen nicht geschlossen werden. Sie geben oft auch rationale Erklärungen dafür ab, aber der eigentliche Grund ist meistens ein Gefühl des Unbehagens. Damit bewegen wir uns noch im so genannten normalen Bereich. Stellen Sie sich aber vor, eine offene Tür macht Ihnen Angst, und sie müssen mehrfach überprüfen, ob sie auch wirklich geschlossen ist, oder sie müssen die Tür ganz genau drei Mal öffnen und wieder schließen, um ganz sicher zu sein, dass sie zu ist, und sie sind sich aber trotzdem noch nicht ganz sicher und wiederholen den Vorgang zur Sicherheit noch ein paar Mal. Wenn sie das nicht oder nicht richtig tun, könnte irgendetwas Schreckliches passieren. Zwangshandlungen werden als quälend empfunden, bestimmte Handlungen müssen immer und immer wieder ausgeführt werden, obwohl sie vom Verstand her als unsinnig erkannt werden. Zwangshandlungen dienen der Abwehr von Angst. Wenn die Handlungen nicht ausgeführt werden, oder wenn der Betroffene das Gefühl hat, die Handlung noch nicht ganz korrekt oder vollständig ausgeführt zu haben, kommt es zu unerträglichen Angstgefühlen. Zwänge können aufgelöst werden, wenn man es schafft, sich in einer sicheren Umgebung seinen Ängsten zu stellen. Dies führt zu neuen Lernerfahrungen. Wenn man die dahinter steckenden Ängste analysiert und verstanden hat, kann dies hilfreich sein und zu mehr Freiheit führen. Die Ängste haben nicht immer einen offensichtlichen Bezug zur Zwangshandlung. Aber immer gibt es Gründe für die Ängste und für die damit zusammenhängenden „Rituale“. |